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Legoprinzip im grossen Stil

48'000 Holzbauschrauben für Hybridbausystem in Lenzburg

Hybridbau Lenzburg Befestigungstechnik Holzbauschrauben Vollgewindeschrauben
Mit einem Kran wurden die einzelnen Module millimetergenau im Stahlgerüst eingesetzt (Bilder: Renggli AG).

Die Schweiz muss vermehrt verdichtet bauen – das hat der Bund im revidierten Raumplanungsgesetz festgehalten. Das Innovationsprojekt «Hello Lenzburg» zeigt, wie in nur fünf Monaten aus vorgefertigten Holzbaumodulen ein kompakter Wohnblock mit ökologischem Ausbaustandard und attraktiven Mietpreisen entsteht. Debrunner Acifer hat für das Bauprojekt rund 48’000 Holzbauschrauben geliefert.

Wohnen im Container – was nicht besonders verlockend klingt, ist heute bereits Realität und könnte die Schweizer Wohnlandschaft nachhaltig prägen. Mit dem Projekt «Hello Lenzburg» ist im Kanton Aargau das erste mehrstöckige Wohngebäude der Schweiz erstellt worden, das mit dem hochmodernen und modularen Hybridbausystem konzipiert wurde. Das bedeutet: Sämtliche Wohnungen bestehen aus Holzbau-Raummodulen, die mitsamt Installationen vorgefertigt und direkt auf der Baustelle zusammengefügt werden.

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Monteure haben die vorgefertigten Küchenkombinationen direkt in den Raummodulen montiert.

So entsteht in Lenzburg in nur fünf Monaten ein kompletter Wohnblock mit 2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen mit Minergie-A-Standard und barrierefreiem Zugang.

Für ein effizientes und verdichtetes Bauen

In den kommenden Jahren müssen in der Schweiz zahlreiche Wohnblocks aus den 60er- und 70er-Jahren saniert oder durch Neubauten ersetzt werden. Neue Wohnungen dürfen jedoch nicht zu teuer sein, da sie sonst leer bleiben und die Mieteinnahmen zurückgehen.Gleichzeitig muss das Baugewerbe die Vorgaben des revidierten Raumplanungsgesetztes des Bundes einhalten und deshalb vermehrt auf verdichtetes Bauen setzen.

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Die Raummodule wurden im Werk komplett fertiggestellt ausgerüstet – vom Parkettboden bis zu den Stromleitungen.

Mit dem Innovationsprojekt «Hello Lenzburg» und dem modularen Hybridbausystem möchte Innosuisse als Schweizerische Agentur für Innovationsförderung des Bundes praktische sowie energieeffiziente Bautechnologien fördern und damit preiswerten Wohnraum schaffen.

11 m lange und 3,5 m breite Container

In Zusammenarbeit mit der Bauherrin AXA, der Berner Fachhochschule BFH und anderen Partnern hat die Renggli AG das innovative Bauprojekt in Lenzburg realisiert. Nach einer rund dreijährigen Planungsphase hatte das Holzbauunternehmen aus Schötz Ende 2018 mit dem Bau der Module begonnen.

Die Monteure hatten im eigenen Werk Böden und Wände aus vorgefertigten Holzbauelementen zusammengesetzt. Danach wurden, Innenwände, Fenster und Türen eingebaut, Parkettböden verlegt, vorproduzierte Küchenkombinationen montiert, Sanitärinstallationen verschraubt und Leitungen eingezogen. Anschliessend wurden die 15 t schweren, 11 m langen sowie 3,5 m breiten Module für den Transport verpackt.

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Mit Kran in Stahlgerüst eingesetzt

Bereits im Dezember 2018 wurde das Betonfundament gegossen und im Januar 2019 das Stahlgerüst aufgebaut. Im Februar konnten die Projektverantwortlichen mit dem eigentlichen Aufbau des Wohnblocks beginnen. Die Raummodule wurden so konzipiert, dass sie optimal auf einen Tieflader passen und mühelos auf die Baustelle geliefert werden können. Jede Wohnung besteht aus zwei Modulen, die je nach Wohnungsgrösse mit aus einem Wohnzimmer, einer Küche, einem Bad sowie einem oder zwei Zimmern ausgestattet sind. Mit einem Kran wurden die Raummodule langsam angehoben und durch präzise Koordination millimetergenau von oben in die Stahlkonstruktion eingesetzt.

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In drei Wochen fertiggestellt

Dank der modularen Bauweise hatte die Renggli AG maximal eine Stunde benötigt, um einen Container im Tragwerk zu positionieren. So konnte der Holzbauspezialist innerhalb eines Monats alle Wohnungen fertigstellen und an die Gebäudetechnik anschliessen. Der Zugang zu den Mietobjekten erfolgt über einen Laubengang, der mit einem Treppen- und Liftturm verbunden ist – dadurch erübrigt sich ein konventioneller Erschliessungskern.

Zudem erfüllt das komplett in Holzbauweise produzierte Gebäude alle Anforderungen an den Minergie-A-Standard. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt grünen Strom, während eine Erdsonden-Wärmepumpe die Wohnungen mit nachhaltiger Wärme versorgt.

Stahlgerüst absorbiert gesamte Last

Das Projekt «Hello Lenzburg» unterscheidet sich von anderen Modulbauten. Während bei herkömmlichen Modulsystemen die Gesamtlast auf die unterste Ebene drückt, absorbiert beim Hybridbausystem das Stahlgerüst das Gewicht und leitet dieses über die Stahlelemente ins Fundament weiter.

Dadurch lassen sich höhere Gebäude erstellen, als es mit anderen Modulbautechniken bislang realisierbar war. Das Hybridbausystem ermöglicht es der Renggli AG, die Bauphase um rund neun Monaten zu reduzieren. Die kurze Bauzeit und standardisierte Produktion sorgen laut dem Unternehmen für geringere Kosten, so dass die Mieten tiefer angesetzt werden können als bei vergleichbaren Mietobjekten.

47'500 Schrauben verbaut

Für die Produktion der Holzbaumodule wurde eine grosse Menge an Befestigungsmitteln verbaut. Einen Teil davon hat sich die Renggli AG über das Holzbau-Sortiment von Debrunner Acifer beschafft – insgesamt rund 47’500 SPAX Vollgewindeschrauben und DA Holzbauschrauben in verschiedenen Längen und Dicken. Diese Schrauben setzte das Holzbauunternehmen vorwiegend für die konstruktive und statische Befestigungen bei Wänden und Decken ein.

Lieferauszug:

  • 47'000 St. DA Holzbauschrauben (5 x 60, 5 x 80, 6 x 100, 6 x 120 und 8 x 200)
  • 500 St. SPAX Vollgewindeschrauben (8 x 600)

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Serielle Produktion dank Vorfertigung

Interview mit Alain Barmettler, Leiter Marketing/Kommunikation der Renggli AG

Wie ist dieses Pilotprojekt zustande gekommen?

Am Ursprung steht das Innovationsprojekt, das von Innosuisse unterstützt wurde. Im Rahmen dieses Projekts haben wir gemeinsam mit der Berner Fachhochschule BFH, der Axa sowie anderen Partnern die neuartige Konstruktion und Bauweise entwickelt. Eine erste reale Umsetzung steht nun in Lenzburg und ist bald bezugsbereit.

Weshalb setzt die Renggli AG auf die Hybridbauweise mit Modulen?

Die Innovation besteht in der Kombination eines Stahlgerüsts und dem Einsatz von Modulen. Die Stahlkonstruktion übernimmt die vertikale und horizontale Lastabtragung. Dank dieser Lastenverteilung können bis zu acht Geschosse in gleichbleibender Modulkonstruktion gebaut werden. Da wir alle Module in gleicher Weise fertigen, profitieren wir von einem sehr hohen Vorfertigungsgrad und ermöglichen so eine serielle Produktion. Aufgrund einer ausgeklügelten Schallentkoppelung zwischen Holz- und Stahlbauteilen lässt sich der Schall und damit der Lärmpegel innerhalb des Gebäudes deutlich reduzieren.

Wieso eignet sich Holz besser als Stahl für Hybridbauten?

Stahl spielt natürlich auch im Rahmen dieses Projekts eine wichtige Rolle – insbesondere bei Konstruktion des Gerüsts. Bei der Produktion der Module hingegen bietet Holz verschiedene Vorteile: Es ist ein leichter, günstiger und ressourcenschonender Baustoff, der sich einfach verarbeiten lässt. Zudem weist Holz gute Eigenschaften im Schall- und Wärmeschutz auf und sorgt für einen hohen Wohnkomfort sowie ein gutes Raumklima.

Welches waren die grössten Herausforderungen bei diesem Bauprojekt?

Das Zusammenspiel von zwei verschiedenen Bauweisen. Die Konstruktion des Stahlgerüsts und die hölzernen Raummodule müssen hochpräzis aufeinander abgestimmt sein, da beim Einsetzen nur sehr geringe Toleranzen erlaubt sind. Mit der Koordination der verschiedenen Arbeiten, der «Just-in-time»-Produktion und der Logistik hatten wir weitere anspruchsvolle Herausforderungen zu bewältigen.

Wie gross ist das Marktpotenzial?

Wir glauben an einen Markt für modulare Hybridbauten. Dafür spricht beispielsweise, dass in der Schweiz viele Gebäude aus den «Bauboom-Jahren» stammen, bei denen sich eine Sanierung nicht lohnt. In solchen Fällen kann ein Ersatzneubau in Hybridbauweise eine sinnvolle und attraktive Alternative bieten. Wie sich der Markt jedoch entwickeln wird, ist schwierig abzuschätzen.

Welche Erfahrungen ziehen Sie aus dem Projekt?

Es hat sich gezeigt, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft funktioniert und daraus echte Innovationen entstehen können. Wir sind überzeugt davon, dass wir mit solchen Projekten unseren Werkplatz Schweiz nachhaltig stärken.

Weshalb beziehen Sie einen Teil der Befestigungstechnik bei Debrunner Acifer?

Das hat vielfältige Gründe: Wir erleben Debrunner Acifer als verlässlichen Partner, der uns ein attraktives Sortiment zur Verfügung stellt. Zudem bedient das Unternehmen unser Logistik-Bedürfnis nach dem Kanban-System. Wir sind sehr zufrieden mit den termingerechten Lieferungen und schätzen die partnerschaftliche Zusammenarbeit.