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Stadler Rail AG: die Weichen für die Zukunft gestellt

Neues Kompetenzzentrum für Doppelstocktriebzüge

Stadler Rail AG Stahlträger Hohlprofile

Die Stadler Rail AG baut in St. Margrethen SG ein neues Kompetenzzentrum für Doppelstocktriebzüge. Damit verlagert der Schienenfahrzeughersteller seinen Produktionsstandort in Altenrhein nach St. Margrethen. Die Ernst Fischer AG aus Romanshorn TG hat für die Stahlkonstruktion der Produktionshallen rund 2'500 t Stahl und Tiefbauprodukte von Debrunner Acifer verbaut.

Turmhohe Baukräne, ein Lastwagenfuhrpark sowie Betonmischer haben von Sommer 2018 bis Herbst 2019 das Bild auf dem Altfeldareal beim Bahnhof St. Margrethen SG geprägt. Die Stadler Rail AG hat mit dem 65'000 m2 oder knapp neun Fussballfelder grossen Gelände mit Gleisanschluss einen geeigneten Standort für das neue Kompetenzzentrum für Doppelstocktriebzüge gefunden. Innerhalb eines Jahres ist hier ein rund 40'000 m2 grosser Gebäudekomplex aus Produktions- und Lagerhallen sowie Büroräumlichkeiten entstanden.

Stadler Rail AG Stahlträger Hohlprofile

Die Bauarbeiten werden noch bis Ende 2020 andauern. Bereits Ende 2019 jedoch wird die Stadler Rail AG in St. Margrethen die ersten Hallen beziehen und die Produktion der Züge lancieren.

Präzises Fundament dank Tachymeter und GPS

Mitte August 2018 hat die KIBAG Bauleistungen AG aus St. Gallen das Planum für die Pfählungsarbeiten geschüttet und profilgerecht hergestellt. Danach wurden knapp 20'000 m3 ausgehoben, die Kanalisationsleitungen verlegt und die Magerbetonsohle eingesetzt. «Als erstes haben wir das Gelände mit der Drohne abgeflogen und ein 3D-Modell erstellt. Die Pläne wurden ebenfalls entsprechend aufbereitet», sagt Stefan Hochreutener, Bauführer der KIBAG Bauleistungen AG.

Stadler Rail AG Stahlträger Hohlprofile

«Anschliessend wurden der Aushub und der Magerbetoneinbau mittels GPS- und Tachymeter-gesteuerten Maschinen erstellt.» Als die Wände in den Baugruben fertiggestellt waren, hat das Unternehmen diese hinterfüllt und den Magerbeton für die Bodenplatte eingelassen. Im weiteren Verlauf hat KIBAG das angrenzende Parkplatz-Gelände geschüttet, die Fundationsschicht erstellt, Betonpfähle freigelegt und Werkleitungen verlegt. So wurden rund 5 km Kabelschutzrohre, über 400 m Ablaufrohre sowie Formstücke von Debrunner Acifer installiert. «Um absolute Dichtigkeit zu garantieren, wurden die Rohre spiegelgeschweisst», sagt Hochreutener.

Wöchentliche Lieferungen von rund 100 t Stahl

Nach einer eingehenden Planungsphase hat die Ernst Fischer AG aus Romanshorn TG im Dezember 2018 die Produktion der einzelnen Elemente der Stahlkonstruktion in Angriff genommen.

Stadler Rail AG Stahlträger Hohlprofile

«Da wir über einen längeren Zeitraum sehr grosse Mengen an Stahl zu verarbeiten hatten, haben wir den Prozess genau durchgetaktet und spezifische Arbeitsteams gebildet», sagt Severin Gutjahr-Preisig, Mitglied der Geschäftsleitung der Ernst Fischer AG.

Von November 2018 bis Juli 2019 hatte die Debrunner Acifer AG insgesamt rund 2'500 t Stahl geliefert: vorwiegend Hohlprofile und Stahlträger in verschiedenen Dimensionen und Abmessungen. «In den ersten Wochen erhielten wir täglich eine Lastwagenladung Stahl», so Gutjahr-Preisig. Im Schnitt ergibt das eine wöchentliche Durchschnittsmenge von rund 100 t. Ein dafür abgestelltes Mitarbeiterteam hat mithilfe moderner Maschinen jeweils während mehreren Monaten Hohlprofile, Träger und Bleche in die gewünschten Längen geschnitten, Löcher gebohrt, Konstruktionen geheftet, geschweisst und den Korrosionsschutz erstellt.

Stadler Rail AG Stahlträger Hohlprofile

Bis zu 8,5 t schwere Fachwerkkonstruktionen

Die fertiggestellten Hohlprofile und bis zu 1 m breiten Stahlträger haben die Metallbauer parallel zu grossen Fachwerkkonstruktionen zusammengebaut: 18 bis 21 m lang und bis zu 8,5 t schwer. «Da das Material aufgrund der Längen sehr sperrig war und viel Platz beanspruchte, mussten wir die Stahlelemente möglichst rasch verarbeiten und auf die Baustelle transportieren, damit wir auch wieder neues Material für andere parallellaufende Aufträge aufnehmen konnten», sagt Gutjahr-Preisig. «Dieses Vorgehen setzte eine enge Planung mit Debrunner Acifer voraus.» Die Ernst Fischer AG hat die Fachwerkkonstruktionen mit eigenen Lastwagen direkt auf die Baustelle in St. Margrethen geliefert – mit einem dafür angeschafften extralangen und ausziehbaren Sattelauflieger, um auch die grössten Stahlelemente transportieren zu können.

Stadler Rail AG Stahlträger Hohlprofile

«Unsere Berechnungen haben ergeben, dass wir rund 200 Transportfahrten machen werden», so Gutjahr-Preisig. «Mit der hauseigenen Transportflotte haben wir höchste Flexibilität und können zeitgenau unser Montageteam vor Ort mit den erforderlichen Konstruktionsteilen beliefern.»

Bauen mit Hebebühnen

Im Januar 2019 hat ein Montageteam der Ernst Fischer AG mit dem Aufbau des Produktionskomplexes begonnen, der sich aus sechs Hallen zusammensetzt. Für die grösste dieser Hallen wurden knapp 700 t Stahl verbaut. Mithilfe grosser Hebebühnen haben die Monteure die Hohlprofile aufgestellt und als Stützen im Boden verankert. Danach wurden die tonnenschweren Fachwerke angehoben und auf die Stützen gelegt – jeweils dreireihig und bis zu 50 m breit.

Die einzelnen Fachwerke wiederum wurden mit HV-Garnituren von Debrunner Acifer miteinander verschraubt. Auf das Fachwerk wurden Bleche befestigt, die als Dach dienen. «Bis Ende Oktober 2019 haben wir in der Werkstatt und auf der Baustelle mehrere tausend Arbeitsstunden investiert», sagt Gutjahr-Preisig.

Lieferauszug Debrunner Acifer:

  • 2'500 t Stahlträger und Hohlprofile
  • 13'500 vormontierte HV-Garnituren
  • 5'000 m PE-LD-Kabelschutzrohre (verschiedene Durchmesser)
  • 200 Kabelschutzformstücke (Bogen, Muffen, Endmuffen usw.)
  • 420 m Ablaufrohre von Geberit (NW 110 / 160 und 200)
  • 50 PE-Formstücke von Geberit

Dimensionen
Für das Bauprojekt wurden 2'500 t Stahl von Debrunner Acifer verbaut. Darunter befinden sich Stahlträger, die bis zu 1 m breit, 30 cm hoch, 13 m lang und 5,3 t schwer sind. Zudem wurden grosse Mengen an warmgewalzten Hohlprofilen montiert – diese sind bis 40 cm breit, 30 cm hoch, 13 m lang und bis zu 2,2 t schwer.

Stadler Rail AG Stahlträger Hohlprofile

1,5-faches Arbeitsvolumen dank Schichtbetrieb

Diana Gutjahr (Mitinhaberin und Geschäftsleitungsmitglied) und Severin Gutjahr-Preisig (Geschäftsleitungsmitglied) von der Ernst Fischer AG

Was bedeutet für Sie ein solcher Auftrag in dieser Dimension?

Neben dem Bau des Stadions des FC St. Gallen ist dieser Auftrag eines unserer Leuchtturmprojekte in der Region. Wir haben uns für die Vergabegespräche sehr gut vorbereitet und ein Dossier erarbeitet, das die Montageplanung eingehend dokumentiert. Trotz dem finanziellen Druck der ausländischen Konkurrenz haben wir bewiesen, dass wir in der Schweiz zu einem konkurrenzfähigen Preis anbieten und produzieren können. Wir wissen, dass wir über genügend Schlagkraft verfügen, um auch solche Grossprojekte zu stemmen. Darauf sind wir sehr stolz, denn wir möchten unseren rund 100 Mitarbeitenden und Lernenden einen sicheren Arbeits- und Ausbildungsplatz gewähren und dadurch gleichzeitig den Werkplatz Schweiz stärken.

Was waren für Sie die grössten Herausforderungen?

Die unterschiedlichsten Arbeitsschritte unter einen Hut zu bringen. Während wir in der einen Halle die Stahlstützen aufgestellt haben, waren wir in weiteren Hallen gleichzeitig damit beschäftigt, das Fachwerk aufzusetzen oder das Dach abzuschliessen. Hinzu kamen die kurzen Lieferfristen, die sich aufgrund der Gesamtprojektierung ergeben haben. Um diese Termine einhalten und Lieferengpässe verhindern zu können, mussten wir uns mit Debrunner Acifer und anderen Partnern gut abstimmen. Hinzu kommt, dass wir parallel zum Projekt der Stadler Rail AG für andere Kunden von uns weitere Aufträge abwickeln konnten, was die Gesamtplanung zusätzlich erschwerte.

Wie haben Sie die gesamte Produktion koordiniert?

Wir haben spezifische Arbeitsteams gebildet und uns in einer Art Schichtbetrieb organisiert. Ein Team hat morgens jeweils die Arbeit früher aufgenommen, das andere abends etwas länger gearbeitet. Die einen Mitarbeitenden waren im Werk für den Zusammenbau und die Schweissarbeit der Teile zuständig, die anderen für die Montage auf der Baustelle. Dadurch haben wir in etwa das 1,5-Fache des üblichen Arbeitsvolumens erreichen können. Andernfalls wäre es schwierig geworden, das Projekt fristgerecht voranzutreiben. Nach einigen Wochen haben sich die Prozesse eingespielt. Das ganze Team hat Grosses geleistet und ist dadurch noch näher zusammengerückt.

Weshalb beziehen Sie einen Grossteil Ihres Stahls bei der Debrunner Acifer AG?

Wir pflegen bereits seit einigen Jahren eine partnerschaftliche Geschäftsbeziehung. Wir kennen unsere Ansprechpartner gut, das Vertrauen ineinander ist gross – ähnlich wie in einem KMU. Man ist nahe bei den Leuten, geht auf unsere Bedürfnisse ein und entwickelt mit uns Lösungen, wenn Probleme auftauchen.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit?

Im Rahmen dieses Neubauprojekts hatten wir grosse Mengen an Stahl zu verarbeiten und kurze Fristen einzuhalten. Debrunner Acifer hat uns sehr gut bedient und auch Flexibilität bewiesen. Durch den wöchentlichen Abgleich mit Debrunner Acifer haben wir kleinere temporäre Engpässe frühzeitig erkannt und gemeinsam Lösungen entwickeln können. Insgesamt hat alles gut funktioniert. Wir wurden immer rechtzeitig beliefert, so dass wir im vereinbarten Zeitrahmen produzieren und unsere Termine einhalten konnten.

Stadler Rail AG Stahlträger Hohlprofile

Enges Programm, kurze Planungsphasen

Stefan Hochreutener, Bauführer bei der KIBAG Bauleistungen AG

Welche Bedeutung hat ein solches Projekt für Sie?

Beim Neubau der Stadler Rail AG handelt es sich um ein schönes und für unser Unternehmen wichtiges Objekt. Ein solches Projekt in dieser Dimension wird es in naher Zukunft in der Ostschweiz wohl nicht geben. Doch gerade das Ausmass hat uns auch bezüglich unserer Planung viel abverlangt.

Welche Herausforderungen gab es zu bewältigen?

Aufgrund der Gesamtprojektierung hatten wir ein sehr enges Terminprogramm einzuhalten. Wir haben fortlaufend Ausführungspläne erhalten und konnten daher nicht lange vorausplanen. Das hat dazu geführt, dass wir auf der Baustelle in kurzen Planungsphasen agieren mussten – was bei einer Baustelle dieser Dimension und mit bis zu 15 Mitarbeitenden vor Ort, die beschäftigt werden müssen, nicht einfach ist. Einige Arbeiten führten wir deshalb sehr spontan aus, was sich auf die Kurzfristigkeit der Bestellungen ausgewirkt hat.

Wie beurteilen Sie die Situation auf der Baustelle?

Wir haben für dieses Projekt insgesamt knapp 15'000 Arbeitsstunden investiert. Auf solchen Baustellen herrscht immer viel Betrieb. Doch die Zusammenarbeit mit den beteiligten Bauunternehmen hat immer reibungslos funktioniert. Alle wissen, wie die Abläufe sind und welche Abhängigkeiten es gibt. Alle haben flexibel agiert und gut miteinander zusammengearbeitet, so dass wir unsere Terminpläne immer einhalten konnten.

Weshalb beziehen Sie einen Teil Ihres Materialbedarfs bei Debrunner Acifer?

Einerseits überzeugt uns das Sortiment und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Andererseits profitieren wir von guten Serviceleistungen. Trotz den teilweise kurzen Vorlaufzeiten für Bestellungen wurden wir immer pünktlich beliefert. Zudem gingen unsere Ansprechpartner immer auf unsere Wünsche ein – diese Flexibilität schätzen wir sehr.